

Der amerikanische Rapper und Mitgründer der Hip-Hop-Gruppe The Fugees, Pras Michel, geht länger ins Gefängnis als erwartet. Nach einem Schuldspruch wegen Verschwörung und der Beschaffung rechtswidriger Spenden aus dem Ausland für den Wahlkampf von Barack Obama im Jahr 2012 verurteilte ihn ein Gericht in Washington am Donnerstag zu 14 Jahren Haft.
„Das Strafmaß soll die Tragweite seiner Verbrechen, seine Gleichgültigkeit gegenüber den Gefahren für unser Land und das Ausmaß seiner Gier widerspiegeln“, hatten die Ankläger des amerikanischen Justizministeriums gefordert. Der 52 Jahre alte Michel, der als Kind haitianischer Einwanderer in New York aufwuchs, verzichtete bei dem Gerichtstermin am Donnerstag auf eine Stellungnahme.
„Er wollte nur ein gemeinsames Foto mit Obama“
Während des aufsehenerregenden Strafprozesses im Frühjahr 2023 hatte die Staatsanwaltschaft dem Grammy-Preisträger („Ready Or Not“) nachgewiesen, bis zu 120 Millionen Dollar des flüchtigen malaysischen Investors Jho Low angenommen und auf illegalen Wegen weitergegeben zu haben. Über Strohmänner überwies Michel dabei auch größere Summen für die Wiederwahl des früheren Präsidenten Obama. Wie der Rapper zugab, hatte er zudem etwa 800.000 Dollar an Freunde und Bekannte verteilt, damit diese Spendenveranstaltungen für die Wahlkampfkasse des Demokraten besuchen. Den Vorwurf, Low wolle mit den Spenden politischen Einfluss kaufen, wiesen die Verteidiger des Musikers und Schauspielers aber wiederholt zurück. „Low wollte nur ein gemeinsames Foto mit Präsident Obama“, trugen Michels Anwälte bei Gericht vor.
Im Jahr 2017 versuchte Michel in Lows Auftrag auch, auf Obamas republikanischen Nachfolger Donald Trump Einfluss zu nehmen. Laut Anklage drängte der Musiker Beamte des Justizministeriums, die Ermittlungen zu Low in Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB einzustellen. Im Auftrag von chinesischen Beamten soll Michel auch versucht haben, einen chinesischen Dissidenten in den Vereinigten Staaten verhaften und in sein Heimatland abschieben zu lassen. Nach Aussagen des früheren amerikanischen Justizministers Jeff Sessions und des Hollywoodstars Leonardo DiCaprio, in dessen Film „The Wolf of Wall Street“ Low ebenfalls investiert hatte, wurde Michel wegen Verschwörung, Beeinflussung von Zeugen und heimlicher Agententätigkeit für China im April 2023 in zehn Anklagepunkten schuldig gesprochen.
Der Verteidiger des Rappers, Peter Zeidenberg, nannte die Verurteilung zu 14 Jahren Haft am Donnerstag „völlig unverhältnismäßig“. Der Jurist kündigte an, gegen Schuldspruch und Strafmaß vorzugehen. Die Ankläger des Justizministeriums hatten in ihrem Schlussplädoyer dagegen einen lebenslangen Gefängnisaufenthalt gefordert. „Der Angeklagte hat sein Land für Geld verraten“, trugen sie vor. Zudem habe Michel keine Einsicht gezeigt, gelogen und seine Verbrechen „unerbittlich“ ausgeführt.
