Russische Band Stoptime: Wie Putins Regime gegen junge Musiker vorgeht

Die 18 Jahre alte Musikerin Diana Loginowa und ihre Mitstreiter werden vom russischen Machtsystem immer mehr zu Staatsfeinden stilisiert. Loginowa, bekannt unter dem Namen Naoko, war mit ihrer Gruppe Stoptime auf den Straßen von Sankt Petersburg aufgetreten und hatte mehrfach Lieder von Musikern wie Noize MC und Monetotschka gesungen, die das Regime von Präsident Wladimir Putin als „ausländische Agenten“ verfolgt. Sängerin Loginowa und ihr Perkussionist Wladislaw Leontjew waren vor Kurzem zu 13 Tagen ­Arrest verurteilt worden, ihr Gitarrist Alexandr Orlow zu zwölf Tagen Arrest, wegen „Verstößen gegen das Versammlungsrecht“, wie sie oft gegen Regimekritiker bemüht werden.

Jetzt beginnt gegen die drei offenbar das, was man in Russland als „Karussellarrest“ bezeichnet: eine Kette aufeinanderfolgender Freiheitsentzüge, die womöglich eine Warnung darstellen, künftig weniger kritische Lieder zu singen, die womöglich aber auch zusammen mit Durchsuchungen von Smartphones und Chatverläufen strafrechtliche Ermittlungen vorbereiten könnten.

„Sonderoperationen gegen Teenager“

Loginowa wurde am Dienstag aus der Arrestzelle wieder in ein Gericht gebracht, das gegen sie ein Bußgeld wegen „Diskreditierung“ der Streitkräfte verhängte; das ist einer der Militärzensur-Tatbestände, die Anfang März 2022 kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine eingeführt wurden. Dann schaffte man die junge Frau unter neuen Versammlungsrechtsvorwürfen wieder auf eine Polizeiwache. Berichtet wurde, dorthin sei ein Krankenwagen gerufen worden, als es Loginowa schlecht geworden sei. Nach einer neuen Gerichtssitzung am Mittwoch soll sie nun weitere 13 Tage in Arrest verbringen, wie auch Orlow, der ebenfalls wieder vor Gericht gestellt wurde. Vor der Sitzung gaben die beiden Musiker bekannt, sich miteinander verlobt zu haben. Leontjew sollte am Dienstagabend freikommen, aber seine Mutter konnte ihn nicht in Empfang nehmen. Sie meldete ihn als vermisst, am Mittwoch tauchte Leontjew dann auf einer Polizeiwache wieder auf.

Die demonstrative Härte dürfte auch mit der Welle der Solidarität für die Gruppe und insbesondere für die Sängerin zu tun haben. Loginowa formte bei ihren Gerichtsterminen mit den Händen ein Herz, wie man es von bekannten politischen Gefangenen in Belarus und Russland kennt.

In Sankt Petersburg und in anderen russischen Städten traten Musiker zur Unterstützung auf. Der im portugiesischen Exil lebende Journalist Dmitrij Kolesew schrieb auf Telegram, in Putins „Diktatur verbinden sich Macht und Grausamkeit mit innerer Zerbrechlichkeit und einem Komplex der Illegitimität, die ernsthafte Leute in Uniform dazu zwingen, ganze Sonderoperationen gegen Teenager durchzuführen“.