In neun Wochen beginnt für die deutschen Handballerinnen die Heim-WM. Die Testspiele gegen die Niederlande zeigten Höhen und Tiefen. Wo stehen die DHB-Frauen?
Sichtlich erleichtert standen die deutschen Handballerinnen nach Abpfiff vor den deutschen Fans und ließen sich von den Fans in der Krefelder Arena feiern. Der 27:22-Sieg gegen WM-Mit-Gastgeber Niederlande war ein wichtiger Schritt in der Vorbereitung auf das Turnier in neun Wochen – und möglicherweise ein Vorgeschmack auf das anstehende Heim-Turnier. Ein „wertvoller Sieg“, wie ihn Markus Gaugisch im Sportschau-Interview nach der Partie nannte und ein weiteres Puzzleteil in seinem WM-Gesamtkunstwerk.
„Mich interessiert nicht wo wir stehen“, so Gaugisch auf die Frage, wo er die Mannschaft aktuell sehe. „Mir geht es darum, dass wir das, was wir ansprechen, verbessern. Und dass das Puzzle in den nächsten Wochen zu einem stabilen Konstrukt wird, indem wir in jeder Trainingseinheit ein weiteres Teil ins Bild packen.“
Feinschliff notwendig
Bisher sieht das Bild folgendermaßen aus: Sechs Testspiele hat das DHB-Team in diesem Jahr bereits bestritten, allesamt gegen hochkarätige Gegner. Gegen Frankreich mussten sich die DHB-Frauen zwei Mal geschlagen geben. Im April verbuchte man gegen Dänemark jeweils einen Sieg und eine Niederlage, genau wie im aktuellsten Test gegen die Niederlande. Während die DHB-Frauen im ersten Test nicht überzeugen konnten, viele technische Fehler und Schwächen im Rückzug zeigten, steigerten sie sich sichtlich im Rückspiel vor heimischen Publikum.
Was bedeutet das für die verbleibenden neun Wochen bis Turnierstart? „Wir haben auf jeden Fall noch was zu tun“, fasste es Kapitänin Antje Döll nach der Partie in Krefeld zusammen, „Wir haben gute Ansätze gezeigt. Wir haben das in petto. Es geht darum, das konstant über 60 Minuten abzurufen.“ Auch Rückraumspielerin Emily Vogel (geb. Bölk) sieht das ähnlich: „Es gibt noch ein paar Sachen, an denen wir feilen müssen, aber dann, glaube ich, kann das richtig geil werden.“
Sehnsuchts-Ziel Halbfinale
„Richtig geil“ würde bedeuten, dass das deutsche Team ins Halbfinale einzieht. Seit Jahren hoffen die deutschen Handballerinnen, den Sprung unter die besten Vier zu schaffen. Schon beim letzten Heim-Turnier 2017 war das Halbfinale das ausgerufene Ziel. Damals beendete das Team das Turnier auf dem 13. Platz. In den folgenden Jahren steigerten sich die Leistungen, für das Halbfinale reichte es jedoch nicht. Platz sechs bei der WM 2023 die besten Platzierung der vergangenen Jahre.
2013 waren auch Antje Döll und Emily Vogel schon Teil des DHB-Aufgebots. Die Vorzeichen seien heute andere, sagen beide. Die Mannschaft habe große Fortschritte gemacht, die Euphorie eine andere: „Das Gefühl was ich damals hatte, ist nicht vergleichbar mit dem, wie es jetzt ist“, so Döll, „das Kribbeln ist jetzt schon da.“ Der Heimvorteil soll zu einem entscheidenden Puzzleteil im WM-Bild werden. „Wir spielen vor heimischen Kulisse, da kann sich so ein Flow entwickeln. Wir brauchen auch ein Quantchen Glück und dann hoffen wir, dass die Zuschauer, dieses Glück auf ein bisschen befeuern können“, sagt Vogel.
Neun Wochen bis zur WM
Um alle weiteren Lücken in seinem Puzzle zu füllen, dafür hat Bundestrainer Gaugisch mit seinem Team nicht mehr viel Zeit. Im Oktober steht noch ein Lehrgang mit zwei EM-Qualifikationsspielen gegen Nordmazedonien und Belgien an. Danach trifft sich die deutsche Mannschaft am 17. November zur direkten WM-Vorbereitung und testet noch in zwei Spielen gegen die Schweiz, bevor es dann am 26. November in Stuttgart ins Turnier startet.
Dort warten in der Vorrunde Serbien, Island und Uruguay. Bei Weiterkommen ginge es dann in Dortmund weiter in der Hauptrunde, wo man auf die drei bestplatzierten Teams der Gruppe D (Montenegro, Spanien, Färöer und Paraguay) treffen würde. Auch das Viertelfinale würde das DHB-Team in Dortmund bestreiten, bevor es zur Finalrunde nach Rotterdam ginge.
