Autor Peter Rosei über ein Europa, das vor vielen Herausforderungen steht – Kultur

Manchmal sind Rückgriffe nützlich, ein Zurückblättern in alten Aufzeichnungen ein guter Start. Vor drei Jahren, zu Beginn des Ukrainekriegs, notierte ich: Wie mächtig ist Europa denn wirklich? Wie weit reicht denn sein Vermögen tatsächlich? Ist der Traum von der eigenen Größe nicht realitätsfern, fast nostalgisch? Europa muss sich mächtig ins Zeug legen, will es mit der globalen Entwicklung auch nur mithalten. Ein Jahr später hieß es dann: Europa steht, was den Krieg in der Ukraine betrifft, trotz allem Engagement wohl eher an der Seitenlinie, spielt nicht gleichberechtigt mit, muss aber sehr wohl mit den Folgen fertig werden … Ich sehe, was Europa angeht, ein vergangenheitsverfangenes, technisch zum Teil, Stichwort etwa Digitalisierung, abgeschlagenes Gebilde vor mir, von inneren Widersprüchen vielfach zerrissen, von institutioneller Trägheit beschwert, von der engen, derzeit wohl alternativlosen Allianz mit den USA zusätzlich gegängelt.