Intel-Einstieg: Nvidia vollzieht den Wachwechsel


Der Einstieg von Nvidia beim Konkurrenten Intel birgt eine hohe Symbolik. Intel – Abkürzung für „Integrated electronics“ – hat das Silicon Valley und vor allem die Chipindustrie über Jahrzehnte geprägt wie kaum ein anderes Unternehmen. Das Ende der Sechzigerjahre gegründete Unternehmen entwickelte den ersten kommerziellen Mikroprozessor, und „Intel inside“ galt lange Zeit als Qualitätssiegel für jeden Rechner.

Doch mit der Zeit hat Intel den Anschluss verloren. Die Versuche des ehemaligen Vorstandschefs Pat Gelsinger, den Konzern durch eine Ausweitung seiner Fertigungskapazitäten zu alter Größe zurückzuführen, kamen zu spät. Das Aus für die Megafabrik in Magdeburg steht symbolisch für die Misere der Kalifornier. Dass mit Nvidia nun ausgerechnet der Senkrechtstarter der Branche als Retter in der Not einsteigt, spricht Bände.

Man kann sich vorstellen, dass dieser Schritt politisch befördert worden ist. Schließlich hat sich die Regierung gerade auch erst mit gut zehn Prozent an Intel beteiligt. Denn für Washington ist die Versorgung mit Hochleistungschips ein Ziel von hoher strategischer Priorität. Und anders als Europäer setzen die Amerikaner solche Ziele mit brachialer Industriepolitik um.

Passenderweise wurde der Schritt verkündet, während Nvidia-Chef Jensen Huang als Teil der Wirtschafts­delegation von US-Präsident Donald Trump in London weilte. Die fünf Milliarden Dollar Investitionssumme sind für das derzeit wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt dabei nicht groß der Rede wert. Das Geld ist zudem eine Investition in die politischen Beziehungen, von denen Nvidia für seine Chipexporte in hohem Maße abhängig ist.

Die verkündete Partnerschaft für die Entwicklung von Halbleitern und Rechenzentren sichert Nvidia aber auch den Zugang zu Intels beachtlichen Fertigungskapazitäten. Denn Nvidia befindet sich derzeit in einem wahnwitzigen Wettrennen mit anderen Tech-Konzernen um Kapazitäten in Datenzentren, das gewaltige Summen verschlingt. Es ist eine gigantische Wette darauf, dass alle geplanten Kapazitäten auch für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Zukunft gebraucht werden. Die Gegenwetten, wann die Blase platzen könnte, laufen schon. Der Ausgang ist offen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es auch in diesem Rennen Gewinner und Verlierer. Nvidia hat seine Chancen mit dem Einstieg bei Intel gerade um einiges verbessert. Der Wachwechsel ist längst vollzogen.