Manchester City: Guardiola führt Team zu Derby-Sieg – Sport

Pep Guardiola hörte am Sonntagabend auch nach dem Abpfiff nicht auf mit dem Coaching. Der Trainer von Manchester City gratulierte seinen Fußballern zum ersten Saisonheimsieg im Prestigeduell gegen Manchester United in der Premier League und forderte sie anschließend mit kreisenden Handbewegungen zu einer Ehrenrunde auf. Dabei gab Guardiola seinem neu zusammengestellten Team präzise vor, wie diese abzulaufen hatte: Die Spieler sollten, vor der Haupttribüne beginnend, entgegen dem Uhrzeigersinn das Stadion umrunden. Damit kein Spieler versehentlich den Weg in die Kabine einschlägt, rief er Bernardo Silva herbei, der seit acht Jahren unter ihm in Manchester spielt. Der Routinier erhielt den Auftrag, wie ein Stadionführer für Touristen die Spielerkolonne anzuführen.

Guardiolas Anweisungen waren sinnbildlich für die ersten Saisonwochen des Klubs. In dieser Phase war der Trainer nach dem Generationswechsel im Kader vor allem damit beschäftigt, seine neuen Spieler mit jenem Grundwissen vertraut zu machen, das aus seiner Sicht erforderlich ist, um die höchsten Gipfel des Fußballs zu erklimmen. Eine solche Unternehmung hat der Katalane in Manchester bereits einmal erfolgreich geleitet. Nachdem er 2016 das Amt übernommen hatte, formte er eine Mannschaft, die sieben Jahre später das Titel-Triple gewann. Allerdings hat Guardiola vor dem Start dieser neuen Tour angekündigt, dass er diesmal die Verantwortung gerne zeitnah abgeben würde – wobei es bei ihm stets möglich ist, dass ihm unterwegs aufkommende Titelluft neue Energie einverleibt.

Einstweilen übernimmt er die ersten Etappen mit dem runderneuerten Team, dessen Aufbau gerade erst begonnen hat. Erstmals seit fünf Jahren war Manchester City als schlechter platzierter Verein in ein Stadtderby gegen Manchester United gegangen. Und über weite Strecken sah die Darbietung der Citizens auch genau danach aus: Es ging Guardiola um die Basics. Anstelle von hochwertigen Ballbesitz- und Kombinationspassagen präsentierten seine Spieler soliden Arbeitsfußball. Nach der Führung durch den in Manchester geborenen Phil Foden (18. Spielminute) konzentrierte sich City auf die Abwehrarbeit und das Konterspiel. Letzteres übernahm Erling Haaland, dem nach zwei Steilpässen in die Tiefe ein Doppelpack (53./68.) zum 3:0-Endstand gelang. Damit hat der Torjäger fünf der acht Saisontore des Klubs erzielt. Guardiola lobte, Haaland habe seit seiner Verpflichtung noch nie enttäuscht. Bisweilen erinnerte der ergebnisorientierte Spielstil an Guardiolas Einstiegssaison in England. Auch seinerzeit ging es für den Klub nach einer Kaderumstrukturierung in erster Linie darum, sich für die Champions League zu qualifizieren – was am letzten Spieltag gerade noch gelang.

Auch diesmal läuft die Saison schleppend an: Nach zwei Siegen aus vier Ligaspielen steht Manchester City auf Platz acht. Das Duell gegen United zeigte, dass die Achse zwar steht, sich die Mannschaft auf allen anderen Positionen aber noch finden muss. Das Gerüst bilden der neue Torhüter Gianluigi Donnarumma, Weltfußballer Rodrigo im Mittelfeld – und Haaland im Angriff. Citys Statik ist zu diesem Saisonzeitpunkt fast spiegelverkehrt zu der des Stadtrivalen. Dort hat Trainer Rúben Amorim nach der desolaten Vorsaison mithilfe großer Investitionen ein ordentliches Team zusammengestellt, das diesen Eindruck gegen City erneut bestätigte. Doch United fehlt die Spitzenqualität auf den neuralgischen Positionen, weshalb man nach vier Spielen erst vier Punkte hat.

Zuletzt übte Weltfußballer Rodri noch deutliche Kritik am Niveau

Er leide noch mehr als die Fans, gestand Amorim. Der von RB Leipzig geholte Mittelstürmer Benjamin Sesko hat noch keine Bindung zum Spiel gefunden, in der Zentrale fehlt ein Organisator, und zwischen den Pfosten strahlt Torwart Altay Bayindir kaum Sicherheit aus. Aus diesem Grund verpflichtete United am letzten Transfertag das belgische Torwarttalent Senne Lammens und verlieh den bisherigen Stammkeeper André Onana an Trabzonspor in die Türkei. Lammens saß gegen City jedoch überraschend auf der Bank – womöglich, um ihn im öffentlichkeitswirksamen Manchester-Derby nicht dem Risiko eines Fehlers auszusetzen. Auf der Gegenseite nahm der bei Paris Saint-Germain ausgemusterte Donnarumma sofort seinen Dienst auf und bestätigte seine Ausnahmestellung als Nummer eins. In der zweiten Halbzeit lag er wie eine schräge Eins in der Luft und lenkte einen Volleyschuss von Uniteds Bryan Mbeumo grandios mit einer Hand am Tor vorbei. „Vergesst Donnarumma nicht, er war unglaublich heute!“, würdigte Haaland den Goalie, als ihm die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler der Partie übermittelt wurde. Er überlege, die Trophäe dem Italiener zu überlassen, sagte er.

Donnarummas Extraklasse bei Paraden und sein zugleich verbesserungswürdiges Aufbauspiel mit den Füßen fasst die Gemengelage bei Manchester City gut zusammen. Als er einmal den Ball kurz herausspielte, wies ihn Guardiola an, ihn beim nächsten Mal weit nach vorn zu schlagen. Solcher Pragmatismus soll dem Team zunächst Stabilität verleihen – und insbesondere eine Fortsetzung der schwierigen Vorsaison verhindern. Entsprechend hob Guardiola den Spirit seiner Mannschaft und den Stolz seiner Spieler hervor. Zuletzt hatte Rodrigo seine Teamkollegen noch deutlich kritisiert: Man müsse das Niveau anheben, wenn man konkurrenzfähig sein wolle, erklärte er.

Der Sieg verringert den Druck auf Manchester City vor der Auftaktpartie in der Champions League gegen die SSC Neapel sowie dem richtungsweisenden Auswärtsspiel beim Titelaspiranten FC Arsenal am kommenden Sonntag. Viel Zeit zur Entwicklung bleibt Pep Guardiola dennoch nicht. Immerhin dürften die Laufwege nach dem Spiel inzwischen klar sein.