Geheimdienst: Sinan Selen wird laut Berichten neuer Verfassungsschutzchef

Union und SPD haben sich offenbar auf einen neuen Chef für das Bundesamt für Verfassungsschutz geeinigt: Sinan Selen, der bisherige Vizepräsident der Behörde, soll künftig den Posten besetzen. Das berichten übereinstimmend das Portal Table Briefings und das Handelsblatt unter Berufung auf informierte Personen. 

Seit November vergangenen Jahres ist die Stelle offen, als der damalige Geheimdienstchef Thomas Haldenwang sein Amt ruhen ließ, weil er für die CDU als Kandidat in den Bundestag einziehen wollte.

Laut den Berichten will Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Spitze des Bundesamts am Montag über die neue Besetzung informieren. Das Bundeskabinett könnte dann am Mittwoch formal entscheiden.

„Er bringt beste Expertise mit“

„Ich halte das für eine hervorragende Personalentscheidung, denn Sinan Selen bringt sowohl beste Expertise als auch nötige umfangreiche Erfahrungen mit“, sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter dem Handelsblatt.

Es wäre das erste Mal, dass das Amt mit einem Mann besetzt würde, der nicht in Deutschland geboren wurde. Der studierte Jurist und Terrorismusexperte Selen stammt aus der Türkei, wurde 1972 in Istanbul geboren, kam mit vier Jahren als Sohn türkischer Einwanderer nach Deutschland und wuchs in Köln auf. Seit 2019 ist er Vizepräsident des deutschen Inlandsnachrichtendienstes, zusammen mit Silke Willems.

Haldenwang hatte im November 2024 überraschend angekündigt, für die CDU in Wuppertal zu kandidieren. Bei der Wahl im Februar unterlag er aber dem SPD-Kandidaten Helge Lindh. Da Haldenwang nicht über die Landesliste der CDU in Nordrhein-Westfalen abgesichert war, zog er nicht in den Bundestag ein.