Die Nominierungen für den 62. Grimme-Preis stehen fest. Für die vier Kategorien – Fiktion, Information & Kultur, Unterhaltung sowie Kinder & Jugend – prüften die Nominierungskommissionen des Grimme-Instituts mehr als 750 Einreichungen und wählten 71 Produktionen in die engere Auswahl. Welche davon einen Grimme- Preis erhalten, wird im März bekannt gegeben.
Çiğdem Uzunoğlu, die Geschäftsführerin des Grimme-Instituts, sieht in den Nominierungen „eindrucksvoll die Vielfalt und Stärke des aktuellen Fernsehjahres“ gespiegelt, sie setzten sich unter anderem mit Rassismus, Polizeigewalt, der Geschichte der DDR oder Klassismus auseinander. Lucia Eskes, die Leiterin des Grimme-Preises, sagte, die Nominierungen böten Anlass zu Anerkennung, aber zur Diskussion über Teilhabe und Sichtbarkeit – etwa darüber, welche Themen aktuell zu wenig Raum bekämen.
Wie bereits im vergangenen Jahr entfallen auffallend wenige Nominierungen auf private Fernsehsender und Streaminganbieter: Von den insgesamt 71 Produktionen in der engeren Auswahl stammen lediglich elf aus diesem Bereich.
Im Bereich Fiktion stehen unter anderem das Filmdrama „Die Nichte des Polizisten“ (SWR/NDR), die Comedy-Serie „Frier und Fünfzig – Am Ende meiner Tage“ (Joyn/Sat 1), die Romanverfilmung „Sturm kommt auf“ und Dramedy-Serie „Chabos“ (ZDF) zur Auswahl. Letztere porträtiert eine Gruppe pubertierender Millennials mit all ihren Problemen im beginnenden Zeitalter globaler Krisen. Die Kommission kam allerdings auch zu dem Ergebnis, dass es im fiktionalen Bereich deutlich weniger diverse Stoffe gab als in den vergangenen Jahren. Dies stehe im Gegensatz zu den eigentlich positiven Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit.

:Unsere Besten
Das Finale von „Stranger Things“, ein aufwühlendes Jugenddrama, die traurigste Frau der Welt und ein skurriler Mord im Weißen Haus – die Serien des Jahres.
Die diesjährige Auswahl in der Kategorie Information & Kultur legt ein besonderes Augenmerk auf historische Themen: Nominiert sind unter anderem die Produktionen „Riefenstahl“ (WDR/SWR/NDR/BR/RBB), „Russlands wilde 90er – zwischen Demokratie und Putin“ (RBB/MDR) und „Baldiga – Entsichertes Herz“ (RBB) über einen HIV-infizierten jungen Fotografen und die West-Berliner Subkultur Ende der 1970er Jahre. Doch auch aktuelle, gesellschaftliche Themen stehen im Vordergrund wie in „Chronisch krank, chronisch ignoriert“ (ZDF/ARTE) oder die wachsende Szene an Influencern, Life Coaches und selbst ernannten Heilern, die Verschwörungserzählungen im Internet verbreiten in „Soldaten des Lichts“ (ZDF). Jedoch bemängelt die Kommission Leerstellen bei zentralen Gegenwartsthemen, wie der fortschreitenden Klimakrise oder der politischen Lage in den USA.
Ein Spezial-Preis in der Kategorie könnte in diesem Jahr an die viel diskutierte Netflix-Doku „Babo – Die Haftbefehl-Story“ vergeben werden – sie habe einen „gesellschaftlichen Debattenraum … zu den Themen Drogenmissbrauch, kritische Aspekte der Musikindustrie und Auswirkungen von dysfunktionalen Familienstrukturen auf die Kinder“ eröffnet. Auch nominiert ist die iranisch-deutsche Regisseurin und Produzentin Niloufar Taghizadeh für ihre herausragenden dokumentarischen Einblicke in Gesellschaft und Kultur des Iran sowie die eindrückliche Vermittlung der Alltagssituation der Bevölkerung im Kriegszustand.
Für die Kategorie Besondere journalistische Leistung sind die Journalistinnen Sophie von der Tann (BR) und Golineh Atai (ZDF) nominiert, ebenso das Recherche-Projekt „Damascus-Dossier“, an dem neben NDR und WDR auch die Süddeutsche Zeitung beteiligt war.
In der Kategorie Kinder & Jugend lobte die zuständige Nominierungskommission an den Produktionen dieses Jahres, wie vielschichtig Themen Raum gegeben wird, die für junge Zielgruppen relevant sind. Beispiele hierfür seien die nominierte Dokusoap-Serie „Azubi-Storys“ (WDR/NDR) und die Jugendserie „Euphorie“ (RTL+), einer deutschen Adaption der US-amerikanischen Serie „Euphoria“.
Die Verleihung des Grimme-Preises findet am 24. April 2026 in Marl statt.
