Letzter gegen Vorletzter. Ein Spiel, das nicht unbedingt spielerische Klasse versprach, sich aber als absoluter Fußball-Leckerbissen entpuppte. Der 1. FC Magdeburg gewann am 21. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga mit 5:4 (5:3) bei der SpVgg Greuther Fürth und jubelt über den ersten Auswärtssieg im Sportpark Ronhof.
Nach dem 5:4 im Hinspiel mauserte sich das Duell der beiden Abstiegskandidaten in dieser Saison zu einem Spiel mit Torgarantie und hohem Unterhaltungsfaktor. Erst drehten die Gäste die Partie in zwei Minuten, um dann mit einem 5:0-Lauf zu einer historischen ersten Hälfte beizutragen. Mehr als acht Tore in einer ersten Hälfte gab es nämlich in der 2. Bundesliga noch nie. Zuletzt trafen Kaiserslautern und Meppen 1997 beim Rekordspiel achtmal (6:2 zur Pause/am Ende 7:6) in 45 Minuten.
„Hätte nicht sein müssen“, zeigte sich Magdeburgs Trainer Petrik Sander im ARD-Interview durchaus kritisch über die fast verspielte Vier-Tore-Führung seines Teams. Der 65-Jährige fand aber auch lobende Worte: „Das Auftreten war extrem gut und man muss festhalten, dass wir sehr, sehr effizient waren im Ausnutzen der Torchancen.“ Fürth-Trainer Heiko Vogel war hingegen konsterniert: „Habe ich so noch nie erlebt. Irres Spiel, aber nicht im positiven Sinne.“
Magdeburg dreht Rückstand binnen zwei Minuten
Die Gäste aus Magdeburg starteten mit viel Offensivdrang in die Partie, trafen den Pfosten bereits nach sieben Minuten, allerdings nach einer Abseitsstellung von Stürmer Zukowski. Danach überschlugen sich die Ereignisse: Die Gastgeber gingen nach einem Eckball in der achten Minute mit 1:0 in Führung. Der isländische Innenverteidiger Bjarnason ließ den Sportpark Ronhof früh jubeln.
Was danach folgte war ein dreißigminütiges Magdeburger Torfestival. Erst konnte Timo Schlieck die Zukowski-Chance (12. Minute) noch spektakulär vereiteln, beim Tor von Ghrieb war der Schlussmann machtlos. Den Schuss des Franzosen lenkte Fürth-Verteidiger Münz unhaltbar ins eigene Tor (13.). Nur Sekunden nach dem Anstoß leistete sich dann Aiman Dardari im Aufbau einen leichtsinnigen Fehler, den Zukowski zwei Minuten nach dem Ausgleich zum 2:0 nutzte (15.).
Laurin Ulrich mit einer starken Vorarbeit zur 2:1-Führung durch Zukowski
Dann gönnte sich das Spiel eine kurze Verschnaufpause, ehe es mit dem munteren Toreschießen weiterging. Nachdem Baris Atik ohne Gegenwehr im Strafraum querlegen konnte, musste Ghrieb nur noch einschieben (24.). Der nächste Fehler der Franken führte nur fünf Minuten später zum 4:1. Torschütze Bjarnason verlor den Ball und Zukowski erzielte seinen zweiten Treffer des Abends (29.).
Greuther Fürth kommt über Standards zum Erfolg
Mittlerweile hatten die „Kleeblatt“-Fans die Unterstützung komplett eingestellt, ähnlich wie ihr Team die Defensivarbeit. Ghrieb auf Atik, der weiter zu Zukowski und der 24-Jährige mit dem Hattrick zum 5:1 (32.). Vogel stellte um, brachte Philipp Ziereis und plötzlich drehten die Fürther wieder auf. Harifi köpfte in der 43. Minute zum 2:5 ein, dann drückte Elvedi den Ball nach einer Partie Pingpong über die Linie.
Die Magdeburger Abwehr schien keinerlei Lösungen gegen die Fürther-Standards zu haben – alle Fürther Tore fielen nach Eckbällen – und so ging es nach einer historischen Acht-Tore-Halbzeit in die Pause. Mit dem Wiederanpfiff nahm das Spiel direkt wieder die gleiche Schlagzahl auf. Der bisher starke Atik spielte vor dem eigenen Sechzehner einen fatalen Pass in die Füße von Ltaief. Der Neuzugang chippte den Ball abgeklärt zum 4:5 (47.) über Torwart Dominik Reimann.
Gastgeber aus Fürth kommen mit viel Power aus der Pause
Nichts zu sehen war mehr von der Magdeburger Überlegenheit, sodass auch der zwischenzeitlich eingestellte Support der Fans wieder lautstark entflammte. Torschütze Ltaief prüfte Reimann aus spitzem Winkel (57.), die Hausherren hatten bis dato deutlich mehr von der zweiten Hälfte. Auch dank der Einwechslung von Torjäger Noel Futkeu, den Vogel etwas überraschend aus der Startelf genommen hatte.
Nach dem Anschluss versuchten beide Teams zwar weiter viel, aber oft fehlte die letzte Präzision. So blieb es bis in die Schlussphase beim Endergebnis aus dem Hinspiel, wo Magdeburg noch mit 4:5 den Kürzeren zog. Während die Gäste den knappen Vorsprung über die Zeit retten wollten, fehlten bei den „Kleeblättern“ der letzte Mut und zunehmend Energie. Erst in der letzten Minute wackelte der Auswärtssieg noch einmal, dann aber richtig: Einen Kopfball von Münz rettete Reimann auf der Linie und hielt somit den Sieg fest.
Fürth in Kaiserslautern, Magdeburg gegen Bielefeld
Fürth ist am Samstagmittag beim 1. FC Kaiserslautern zu Gast (13.00 Uhr). Magdeburg empfängt am Sonntagmittag Arminia Bielefeld (13.30 Uhr).
