21 Jahre nach der Tat: Was der Verteidiger des Moshammer-Mörders jetzt plant

Am 14. Januar jährt sich der Todestag von Rudolph Moshammer (†64) zum 21. Mal. Der exzentrische Modezar, Society-Liebling und feste Größe der Münchner Schickeria wurde 2005 in seiner Villa in Grünwald ermordet.

Rudolph Moshammer vor 21 Jahren ermordet

Moshammer war mehr als nur ein Modemacher. Er war eine Ikone. Mit schwarzer Perücke, stets perfekt inszeniert, im Rolls-Royce unterwegs und fast immer begleitet von Schoßhündchen Daisy prägte er das Münchner Stadtbild. Seine Boutique in der Maximilianstraße war ein Magnet für die Prominenz.

Umso größer der Schock, als Moshammer tot aufgefunden wurde – von hinten mit einem Kabel erdrosselt. Erst nach seinem Tod wurde seine Homosexualität öffentlich thematisiert. Die Umstände des Verbrechens sorgten für große Scham in der Society und viele Weggefährten blieben seiner Beerdigung fern.

Rudolph Moshammer fand gemeinsam mit seiner Mutter Else (†85) seine letzte Ruhestätte in einem Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof.
Rudolph Moshammer fand gemeinsam mit seiner Mutter Else (†85) seine letzte Ruhestätte in einem Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof.
© imago/HRSchulz
Rudolph Moshammer fand gemeinsam mit seiner Mutter Else (†85) seine letzte Ruhestätte in einem Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof.

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Polizei fasst Täter schnell: Verurteilter Mörder mittlerweile im Irak

In der Nacht vor seinem Tod hatte Moshammer im Münchner Bahnhofsviertel den damals 25-jährigen Iraker Herisch A. angesprochen und mit nach Hause genommen. Für 2000 Euro sollten sexuelle Dienste erbracht werden, doch es kam zu einem Streit mit tödlichem Ausgang. Dank gesicherter DNA-Spuren konnte die Polizei den Täter rasch ermitteln. Herisch A. wurde verurteilt und verbrachte 18 Jahre im Gefängnis. Mit 43 Jahren kam er frei und wurde vor drei Jahren in den Irak abgeschoben.

Verteidiger Adam Ahmed (r.) mit Moshammer-Mörder Herisch A. zu Prozessbeginn am 2. November 2005. Herisch A. wurde im Herbst 2005 wegen Mordes verurteilt. 2023 kam er frei. Heute lebt er im Irak.
Verteidiger Adam Ahmed (r.) mit Moshammer-Mörder Herisch A. zu Prozessbeginn am 2. November 2005. Herisch A. wurde im Herbst 2005 wegen Mordes verurteilt. 2023 kam er frei. Heute lebt er im Irak.
© dpa/Peter Kneffel
Verteidiger Adam Ahmed (r.) mit Moshammer-Mörder Herisch A. zu Prozessbeginn am 2. November 2005. Herisch A. wurde im Herbst 2005 wegen Mordes verurteilt. 2023 kam er frei. Heute lebt er im Irak.

von dpa/Peter Kneffel

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Für die AZ blickt Dr. Adam Ahmed (54), der damalige Verteidiger von Herisch A., auf den Fall zurück. Auch mehr als zwei Jahrzehnte später sei der Mord an Moshammer für ihn „ein außergewöhnlicher und prägender Fall der deutschen Strafrechtsgeschichte“. Vor allem die enorme öffentliche Aufmerksamkeit habe das Verfahren geprägt. „Mit zeitlichem Abstand sehe ich den Fall heute weniger durch die Brille der medialen Zuspitzung, sondern als Beispiel dafür, wie stark Strafjustiz mit gesellschaftlichen Erwartungen überfrachtet wird“, sagt Ahmed der AZ.

Dr. Adam Ahmed verteidigte Herisch A. im Moshammer-Prozess. Voraussichtlich 2027 soll sein Buch über den Fall erscheinen.
Dr. Adam Ahmed verteidigte Herisch A. im Moshammer-Prozess. Voraussichtlich 2027 soll sein Buch über den Fall erscheinen.
© Privat
Dr. Adam Ahmed verteidigte Herisch A. im Moshammer-Prozess. Voraussichtlich 2027 soll sein Buch über den Fall erscheinen.

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„Im hoch emotionalisierten Umfeld rechtsstaatliche Maßstäbe verteidigen“

Der Fall habe ihn beruflich wie persönlich verändert: „Er war einer meiner ersten Berührungspunkte mit der existenziellen Dimension des Strafrechts: Schuld, Verantwortung und Vorverurteilung“, so der Jurist. Als Verteidiger von Herisch A. sei es seine Aufgabe gewesen, „in einem hoch emotionalisierten Umfeld rechtsstaatliche Maßstäbe zu verteidigen – unabhängig von Tat und Person“.

Fall Moshammer als Wendepunkt: Anwalt veröffentlicht Buch mit Details

Aktuell arbeitet Ahmed an einem Buch, in dem er den Mord an Moshammer auch als Wendepunkt beschreibt: „Der Fall Moshammer und insbesondere der damalige Umgang seitens der Justiz haben mich nachhaltig geprägt. Er hat meinen Blick auf Strafverfahren, auf Machtverhältnisse im Prozess und auf die Verantwortung der Verteidigung grundlegend verändert.“

Herisch A. abgeschoben: „Fährt ein Leben außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung“

Und was macht der verurteilte Moshammer-Mörder heute? Nach Verbüßung seiner Strafe lebt Herisch A. als Maler im Irak. Zu seinen Lebensumständen äußert sich sein damaliger Verteidiger mittlerweile zurückhaltend: „Ich habe heute keinen regelmäßigen Kontakt zu Herisch A. Ein gelegentlicher, punktueller Austausch hat in der Vergangenheit stattgefunden, allerdings nicht in einer Form, die man als fortlaufende oder enge Kommunikation bezeichnen würde. Allgemein lässt sich sagen, dass Herisch A. nach Verbüßung der Strafe ein Leben außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung führt.“

Rudolph Moshammer hingegen bleibt als schillernde Kultfigur unvergessen. Auch 21 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod.