Runde 20 in der Fußball–Bundesliga – und irgendwie waren diese Spiele am Samstagnachmittag geprägt von Elfmeterentscheidungen. Kurzer Spoiler: Nicht alle davon waren richtig. Über einen Höhenflug, der nicht enden will, einen kriselnden Klub, der zu viele Tore kassiert und eine skurrile Trainerdebatte im kühlen Norden. Alles weitere zur Bundesliga gibt es hier.
Stoppt die Eintracht ihre Problemphase?
Bisher nicht. Gegen Tottenham setzte es endlich mal nicht drei Gegentore, sondern nur zwei, weshalb sich die Euphorie der Frankfurter auch beim Abschied aus der Champions League in Grenzen hielt. Und zwar in ziemlich engen. Nach sieben sieglosen Partien in Serie sollte im letzten Spiel vor der Amtsübernahme des neuen Trainers Albert Riera, der am Montag einsteigt, endlich alles besser werden. Dummerweise hieß der Gegner Bayer Leverkusen, das Hjulmand-Team hatte sich zuletzt mit zwei Siegen in fünf Tagen aus der Krise geackert.

:Stefan Kuntz und der HSV: „Das ist eine absolute Katastrophe“
Stefan Kuntz, dem ehemaligen Sportvorstand des HSV, wird schwerwiegendes Fehlverhalten im Umgang mit Mitarbeiterinnen des Klubs vorgeworfen. Was hat es damit auf sich? Was sagt dieser Fall über die Fußballbranche aus?
Gleich am Anfang hätte die Eintracht vorlegen können, bei Robert Andrichs Kontakt mit Arnaud Kalimuendo im Leverkusener Strafraum entsponn sich eine Elfmeterszene. Doch solche Situationen liegen oft im Auge des Betrachters – und so entschied Schiedsrichter Robert Schröder eben nicht auf Strafstoß. Und dann schlug es hinten ein, in der 26. Minute nahmen Alejandro Grimaldo und Arthur die hessische Abwehr hops, Letzterer (mit schicker Gesichtsmaske unterwegs) schloss ganz cool zum 0:1 ab. Und auch beim 0:2 ein paar Minuten später standen die Eintracht-Abwehrspieler nur staunend dabei, Malik Tillman durfte ungehindert einschieben.
Doch Frankfurt gab nicht auf, der zweite Abschnitt war noch jung, da verkürzte Kapitän Robin Koch mit viel Willen auf 1:2. Nach dem Platzverweis gegen Ellyes Skhiri (71./Gelb-Rot) war es vorbei mit der Aufholjagd der Adler, Leverkusens Aleix Garcia setzte den späten Schlusspunkt – wieder mal drei Gegentore für die Eintracht. Jetzt wartet man am Riederwald auf den neuen spanischen Coach Albert Riera, der endlich die Defensivprobleme der SGE in den Griff kriegen soll.
Fegt der Hoffenheimer Tornado auch über Union hinweg?
Klar und eindeutig: Ja. Zwar war Steffen Baumgarts Team Willens, die Dauer-Sieger aus dem Kraichgau in die Schranken zu weisen. Und Rani Khedira hatte auch gleich eine richtig gute Chance zur Führung, als TSG-Keeper Oliver Baumann ins Straucheln geriet, der Union-Mittelfeldspieler jedoch zu eigensinnig abschließen wollte.
Doch dann folgte gegen Ende der ersten Halbzeit der große Auftritt von Evergreen Andrej Kramaric, der zuerst einen ziemlich strittigen Elfmeter verwandelte und dann noch einen Kopfball schulmäßig gegen die Laufrichtung des Torwarts zum 2:0 verwertete. Und als Union zu Beginn der zweiten Hälfte die Ärmel hochkrempeln und zur Aufholjagd blasen wollte, stolperte sich der von Lazio Rom umworbene Diogo Leite den Ball ins eigene Tor. Am Ende hieß es 3:1 für die TSG, die nun endgültig ein echter Bayern-Jäger ist. Wenn man das bei etlichen Punkten Rückstand so sagen kann.
Setzt sich Leipzig in den Top 4 fest?
Sieht nicht so aus, obwohl die Anzeichen dafür gut standen, schließlich hatte Gegner Mainz zuletzt siebenmal auswärts nicht gewonnen. Doch der Aufschwung des FSV war zuletzt deutlich spürbar. Voran ging unter anderem Jubilar Stefan Bell, der sein 300. Bundesligaspiel bestritt und zuletzt nach dreieinhalb Jahren ohne eigenes Tor gleich zweimal innerhalb von acht Tagen getroffen hat.
Zuerst zeigten die Rasenballer trotzdem, warum sie hier Favorit waren. Conrad Harder besorgte die Führung, während die Mainzer neben diesem Tiefschlag auch den Schock der schweren Verletzung von Benedict Hollerbach hinnehmen mussten, der ohne Fremdeinwirkung zu Boden sackte und später mit Krücken auf der Bank gesichtet wurde. Mainz steckte all das weg, einen schmeichelhaften Elfmeter verwandelte Nadiem Amiri zum 1:1, gleich nach dem Wechsel drehte Silas mit einem unwiderstehlichen Solo das Spiel komplett – auch der Ex-Mainzer Ridle Baku konnte ihn nicht stoppen. Leipzig ackerte und rackerte, der ersehnte Ausgleich wollte jedoch nicht mehr fallen. Und Mainz? Ist tatsächlich nur noch einen Punkt hinter Platz 15.
Legt Augsburg nach dem Coup in München nach?
Kann man so sagen! Wie drückte es Keven Schlotterbeck vor der Partie seiner Augsburger gegen St. Pauli so schön aus? Das werde ein ganz anderes Spiel, schließlich wisse man ja, dass man in München nur 20 bis 30 Prozent den Ball haben würde. Das sei gegen ein Team aus dem Tabellenkeller naturgemäß anders.
Und so machte der FCA auch anfangs das Spiel, hatte gute Chancen durch Alexis Claude-Maurice, der den Pfosten traf, und Michael Gregoritsch. Doch dann gab es einen Elfer für die Hamburger, der wohl kaum Bestand gehabt hätte, wäre Referee Sascha Stegemann von seinen Video-Helferlein an den Bildschirm gebeten worden. Doch die sahen dafür keine Veranlassung, obwohl Augsburgs Marius Wolf ganz klar den Ball spielte, ehe er Manolis Saliakas am Knöchel traf. Danel Sinani war’s egal, er traf vom Punkt. Doch noch vor der Pause glich Gregoritsch, den sie in Österreich nicht erst seit seinem entscheidenden Tor in der WM-Qualifikation gegen Bosnien zärtlich „Gregerl“ nennen, zum 1:1 aus. Und brachte den FCA nach einer knappen Stunde sogar in Führung. Und diese zitterten die bayerischen Schwaben dann auch über die Zeit – obwohl St. Pauli noch die ein oder andere Großchance hatte.
Sichert Trainer-Killer Horst Steffen gegen Gladbach seinen eigenen Job in Bremen?
Womöglich schon, aber wenn, dann klappte das auf den letzten Drücker. Vier von sechs Trainer, die in dieser Bundesligasaison entlassen wurden, flogen nach einem Spiel, an dem der SV Werder beteiligt war. Vor dem Duell der kriselnden Ex-Spitzenklubs kursierte der Witz, dass die Bremer schon bald wieder einen Coach den Arbeitsplatz kosten werden – und zwar diesmal ihren eigenen.
Uninspiriert spulten die Alt-Meister die erste Halbzeit ab. Und just als Bremen die Initiative ergriff, um dem Negativlauf zu entgehen, rutschten sie noch tiefer hinein, weil sich Franck Honorat rechts ganz stark durchsetzte und Haris Tabakovic in der Mitte das Füßchen hinhielt und zum 0:1 traf. Es drohte die siebte Niederlage im zehnten Spiel für den SVW, dann drückte Keke Topp ab, der aus einem Örtchen in Niedersachsen mit dem schönen Namen Gnarrenburg stammt. Sein Geschoss landete zum 1:1 im rechten Winkel und hatte womöglich Job erhaltenden Charakter für Horst Steffen.
