In der Augsburger Arena wirkte dieser Abend von Beginn an wie eine bewusst inszenierte Rückkehr in eine andere Zeit. Mit lilienartigen Ornamenten, hellrosa Kragen und einem goldenen Gulden links unten auf dem Trikot liefen die Spieler des FC Augsburg auf – ein Sondertrikot, das sich sichtbar an der Epoche eines Mannes orientierte, der die Stadt Augsburg bis heute prägt: Jakob Fugger der Reiche. Doch die Renaissance, die an diesem Abend erzählt wurde, blieb nicht auf Stoff und Symbolik beschränkt. Sie zeigte sich auf dem Rasen. Und sie mündete in einem 2:0-Heimsieg gegen den 1. FC Köln.
Wie Hausherren in ihrem eigenen Palais traten die bayerischen Schwaben von Beginn an auf. Rodrigo Ribeiro gehörte der erste Abschluss der Partie. Trotz leichter Berührung von Kölns Torhüter Marvin Schwäbe wäre der Ball in der vierten Minute allerdings deutlich über das Tor gegangen. Die anschließende Ecke übersah das Schiedsrichtergespann um Tobias Welz. Nur wenige Minuten später prüfte Ribeiro Schwäbe erneut. Sein Schuss auf die linke Ecke war jedoch zu unplatziert (10.).
Sieben Heimspiele in Serie war der FCA vor diesem Abend ungeschlagen. Für die Gäste war die Ausgangslage eine andere, der letzte Auswärtssieg liegt bereits mehrere Monate zurück. Zuletzt überzeugte Köln spielerisch – blieb jedoch zu oft ohne Ertrag. Und während Köln seine ordentlichen Auftritte gerade nicht in Punkte verwandeln kann, gewinnt Augsburg in der Rückrunde genau jene Spiele, die auf der Kippe stehen.
Trotzdem blieb die erste Halbzeit insgesamt zäh. Beide Mannschaften fanden im letzten Drittel nur selten saubere Lösungen. Die beste Möglichkeit vor der Pause gehörte nochmal den Gästen. Nach einer Ecke setzte Erik Martel seinen Kopfball an die Latte (38.). Mehr Gefahr ließ Augsburg bis zum Seitenwechsel nicht zu.

Nach der Pause versuchte Köln, den Druck zu erhöhen. Isak Johannesson schlug eine Flanke von der rechten Seite in den Strafraum. Am zweiten Pfosten kam Kristoffer Lund zum Kopfball und visierte das kurze Eck an. Finn Dahmen tauchte im Augsburger Tor ab und parierte (48.). Doch die Kölner Anfangsoffensive lief nur wenige Minuten später in die entgegengesetzte Richtung. Innenverteidiger Noahkai Banks marschierte unbedrängt durch den Strafraum der Gäste. Marius Bülter begleitete ihn nur. In der Mitte stand Ribeiro richtig – und veredelte die scharfe Hereingabe per Hacke zum 1:0 (55.).
Es war der Moment, der sinnbildlich für diesen Abend stand. Augsburg überstand die kurze Druckphase – und erstickte den letzten Zweifel an der eigenen Entwicklung. In der Rückrundentabelle rückte der FCA – zumindest zwischenzeitlich – sogar auf Platz zwei der Liga vor. Und auch in der Gesamttabelle gehört Augsburg längst nicht mehr zu den Abstiegskandidaten. Platz neun bedeutet ein gesichertes Mittelfeld.
So langsam stellt sich die Frage: Was ist für Augsburg in dieser Saison noch drin?
Die Struktur, die den Augsburger Aufschwung seit Wochen trägt, blieb auch in der zweiten Halbzeit stabil. Kölns Trainer Lukas Kwasniok wechselte nach 66 Minuten Said El Mala ein, seine Mannschaft suchte Lösungen, fand aber kaum Räume zwischen den Linien. In der Schlussphase rückte sogar Torhüter Schwäbe bei einer Ecke mit in den Augsburger Strafraum auf. Doch auch diese letzte Offensive blieb ohne Ertrag, denn Augsburg schaltete nach der gegnerischen Ecke schneller. Alexis Claude-Maurice eroberte den Ball nahe der Mittellinie und schob ihn ins leere Tor – 2:0 (95.). Es war nicht das entscheidende Tor, aber es war der passende Schlusspunkt des Spiels aus Augsburger Sicht.
Am Ende blieb ein Sieg, der weit mehr erzählte als nur die Geschichte der drei Punkte. Zum 500. Bundesligaspiel des Vereins konnten die Fuggerstädter ihre Geschichte weiterschreiben: acht Heimspiele in Serie ohne Niederlage, ein weiteres Heimspiel ohne Gegentor. Und damit wächst in Augsburg leise die Frage, was in dieser Rückrunde noch möglich ist. Trotzdem wollte niemand übermütig werden. Denn „die Saison ist noch nicht vorbei“, erklärte der Kapitän Keven Schlotterbeck nach dem Spiel bei Sky.
