16. Spieltag der Bundesliga: Heidenheimer Tor des Monats, Hamburger Frust – Sport

Tief Elli hatte zuletzt auch zwei Bundesligaspiele aus dem Spielplan geweht, für Bremen, Hoffenheim, St. Pauli und Leipzig ging die Winterpause unfreiwillig in die Verlängerung. Weitere Ausfälle blieben am Samstag aus; auch wenn sich auf der Ostalb in Heidenheim so viel Schneeregen auf den rumpeligen Platz legte, dass die Spielleitung zur Sicherheit mit einem orangefarbenen Ball spielen ließ. Doch siehe da: Der Auftritt des Tabellenvorletzten gegen den kaum besser situierten 1. FC Köln taugte über weite Strecken dazu, die Gemüter der Zuschauer zu erwärmen. Und auch die übrigen Partien boten viel Stoff für Unterhaltung – und Debatten.

1. FC Heidenheim – 1. FC Köln 2:2 (2:1)

Nach einer Viertelstunde entführten die Mannschaften das Publikum sogar kurz an die Copacabana. Erst dribbelte Heidenheims Jan Schöppner bis an die Grundlinie, schaufelte nur unweit von der Eckfahne den Ball in den Strafraum. Dort bugsierte Marvin Pieringer den Ball mit einer Mischung aus Seit- und Rückfallzieher so kunstvoll aufs Tor, dass es die Mitbewerber um das Tor des Monats schwer haben dürften. Kölns Torwart Marvin Schwäbe war so verdutzt, dass der Ball über seinen Kopf rauschte (15.).

Köln antwortete kaum weniger filigran: Flanke Alessio Castro-Montes, Kopfball Eric Martel – mit dem Hinterkopf und Rücken zum Tor – es war der erste Kölner Treffer in der Liga seit knapp vier Stunden (18.). Das Heidenheimer 2:1 durch Julian Niehues (26.) passte dann schon besser zu Wetter und Geläuf, der Ball flipperte nach Ecke durch den HSV-Strafraum, ehe Niehues abstaubte. Seine Teamkollegen Arijon Ibrahimovic und Sirlord Conteh hätten kurz darauf mindestens das dritte Tor erzielen müssen. So durfte Kölns Said El Mala doch noch den Ausgleich erzielen, diesmal per formschönem Schlenzer (48.). Und auch wenn die Gäste in der zweiten Hälfte beste Chancen zum Teil grotesk vergaben, so ergrätschte und erkratzte sich der Tabellenvorletzte den nächsten Punkt – und schließt fürs Erste zum spielfreien St. Pauli auf dem Relegationsrang auf.

Union Berlin – FSV Mainz 05 2:2 (0:1)

Waren das etwa Anzeichen der Rührung? Ein klein wenig Ergriffenheit hätte man ja sogar Urs Fischer („Ein Vulkan bin ich nicht“) zugetraut, als der 59 Jahre alte Schweizer am Samstag mal wieder bei Union Berlin vorbeischaute. Die Berliner hatte Fischer einst aus Liga zwei in die Champions League geführt, was schon einiges darüber erzählt, weshalb sie Fischer zuletzt in Mainz eine Elf anvertraut haben, die auf den letzten Tabellenplatz gerutscht ist. Womöglich war es aber auch nur die Berliner Kälte, die Fischer am Samstag ein, zwei Tränchen ins Auge trieb.

Fischers schnörkelloser Ansatz hat in Mainz jedenfalls erstaunlich flott gegriffen – zweikampfstark in der Defensive, zielstrebig im Angriff – seine ersten vier Pflichtspiele endeten ohne Niederlage. Und beim 2:2 in Berlin kam ein weiterer Punktertrag hinzu; es war immerhin der neunte in der Saison, der Mainz fürs Erste bis auf drei Zähler an Relegationsplatz 16 heranbringt. Bis 20 Minuten vor Schluss sah es sogar nach einem Auswärtssieg aus, Nadiem Amiri (30.) und der einstige Unioner Benedict Hollerbach (69.) hatten getroffen, Hollerbach das 3:0 knapp verpasst. Doch dann besann sich Union offenbar darauf, dass es vor der Winterpause unter anderem Leipzig geschlagen und sich auf Tabellenplatz acht vorgepirscht hatte. Woo-yeong Jeong (77.) und Marin Ljubičić (86.) beschafften den verdienten Ausgleich.

SC Freiburg – Hamburger SV 2:1 (0:0)

Beim HSV hatten sie zuletzt auch mit einem Sturmtief zu kämpfen, allerdings mit einem fußballerischen, in ihrer Offensivabteilung. Linderung soll Damion Downs verschaffen, eine Leihgabe vom FC Southampton. Und so wehte es den 21 Jahre alten Deutsch-Amerikaner am Samstag sogleich in die Startelf. Es verwunderte jedoch kaum, dass Downs noch wenig Bindung zu seinen Kollegen entwickelte, vermutlich hatte er bis zu seiner Auswechslung in der zweiten Halbzeit kaum mehr Ballkontakte als sein Torwart Daniel Heuer Fernandes. Der hatte reichlich damit zu tun, die Freiburger Chancen zu parieren.

Kurz durfte der Aufsteiger dann sogar hoffen, den Favoriten zu überrumpeln, nach 48 Minuten drückte Luka Vuskovic den Ball nach einer Ecke ins Tor. Doch nur drei Minuten später trat Daniel Elfadli Freiburgs Lucas Höler im Strafraum in die Hacke – Platzverweis und Ausgleich Vincenzo Grifo. Hamburg wehrte sich bis zur 83. Minute, dann wuchtete Igor Matanovic den Ball zum 2:1 ins Tor. Freiburgs Johan Manzambi hatte Hamburgs Jordan Torunarigha zuvor allerdings mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen, die Hamburger Gemüter brachte das auf Temperaturen weit jenseits des Gefrierpunkts. Das Schiedsgericht um Referee Timo Gerach ließ sich allerdings nicht für eine Intervention erwärmen.